Pendant zur Gleitringdichtung finden: MG1, M7N, Type 21 und Cartex richtig umschlüsseln
Auf dem alten Teil steht MG1, im Lager liegt nichts, und der Lieferant hat acht Wochen Lieferzeit. Eine Umschlüsselung hilft nur dann, wenn drei Dinge zusammenpassen: Bauart, Werkstoffe und Einbaumaße. Wer nur die Typenbezeichnung übersetzt, baut die zweite Fehlerquelle gleich mit ein.
Was ein Pendant ist, und was es nicht ist
Ein Pendant ist eine Dichtung anderer Herkunft, die dieselbe Bauart, dieselbe Werkstofflogik und dieselben Einbaumaße hat wie das Original. Es ist kein Nachbau und keine Kopie. Die meisten Bauformen im Markt sind Varianten weniger Grundprinzipien, die seit Jahrzehnten in derselben Geometrie gefertigt werden, häufig auf Basis der Einbaumaße nach DIN EN 12756. Deshalb lassen sich viele Typen sauber zuordnen.
Was ein Pendant nicht leistet: Es gleicht keinen Auslegungsfehler aus. Wenn die Originaldichtung nach vier Monaten kaputt war, hält das Pendant genauso vier Monate. Vor der Umschlüsselung gehört deshalb die Frage geklärt, warum das alte Teil ausgefallen ist. Dabei hilft der Beitrag Gleitringdichtung leckt: Ursachen erkennen.
Schritt 1: Bauartfamilie bestimmen
Der erste Griff geht nicht zum Katalog, sondern zum Teil. Fünf Merkmale genügen, um die Familie einzugrenzen. Danach ist die Tabelle nur noch Nachschlagen.
| Was Sie sehen | Bauartfamilie | Typische Vertreter |
|---|---|---|
| Gummi-Faltenbalg, eine große Feder | Balgdichtung, unentlastet | MG1, Type 21, B01, Vulcan 1A |
| Eine gewellte Flachfeder (Wellfeder) | Wave-Spring, drehrichtungsunabhängig | M3N, Type 21W, M03, Vulcan 32 |
| Acht bis vierundzwanzig kleine Schraubenfedern | Mehrfederdichtung | M7N, Type 9, M05, Latty 2300 |
| Metallbalg statt Federn, verschweißte Lamellen | Metallbalgdichtung | HRC-Reihe, Type 2800, Type 109 |
| Komplette Hülse mit Flansch und Montagelaschen | Patrone (Cartridge) | Cartex-Reihe, 5615/5860, CDSA, ISC1 |
Zwei Gleitflächenpaare hintereinander oder Rücken an Rücken bedeuten eine Doppeldichtung. Dann gehört zur Umschlüsselung zwingend die Frage, mit welchem Sperr- oder Pufferkreis die Dichtung betrieben wird, sonst passt zwar die Geometrie, aber nicht die Funktion.
Schritt 2: Umschlüsselungstabellen
Die folgenden Zuordnungen sind Richtwerte für die Bauform, wie sie in der Praxis verwendet werden. Sie ersetzen keinen Maßvergleich. Alle genannten Bezeichnungen sind Typenbezeichnungen der jeweiligen Hersteller und stehen hier ausschließlich zur Zuordnung.
Balgdichtungen und Wave-Spring
| EagleBurgmann | John Crane | AESSEAL | Flowserve | Bauart |
|---|---|---|---|---|
| MG1 | Type 21 | B01 / M02 | Type 21 | Gummibalg, unentlastet, Standard für Wasser und Heizung |
| MG12 | Type 21 mit O-Ring | M02-D | 21D | Wie MG1, zusätzlicher O-Ring für höheren Druck |
| M3N | Type 21W | M03 | Type 43 | Wellfeder, kompakt, drehrichtungsunabhängig |
| M37G | Type 21W mit Hülse | M37 | 43-G | Wellfeder auf Hülse, patronenfähig |
Mehrfeder- und Schwerlastdichtungen
| EagleBurgmann | John Crane | AESSEAL | Flowserve | Bauart |
|---|---|---|---|---|
| M2N | Type 1 | M01 | Type 1 | Mehrfeder, unentlastet, klassische Komponentendichtung |
| M7N | Type 9 | M05 | 8B1 | Mehrfeder, robust, Industriestandard |
| H75 | Type 9B | M07 | 8B1 entlastet | Entlastete Ausführung für höhere Drücke |
| HRC-Reihe | Type 2800 | M16 | BX | Metallbalg, Heißwasser und Thermalöl |
Patronen (Cartridge)
| EagleBurgmann | John Crane | AESSEAL | Flowserve | Bauart |
|---|---|---|---|---|
| Cartex-SN | 5615 / 5860 | CDSA | ISC1 | Einfachpatrone für den Stopfbuchsraum |
| Cartex-DN | 5860 D | CDSA-D | ISC2-D | Doppelpatrone in Tandem, typisch mit Plan 52 |
| Cartex-QN | 5860 B | CDSA-B | ISC2-B | Doppelpatrone Rücken an Rücken, typisch mit Plan 53 |
| HSH-S / HSH-D | 5610 / T4690 | CDSA / CURC | ISC1 / ISC2 | Patrone nach API 682, einfach und doppelt |
Bei Patronen ist die Zuordnung heikler als bei Komponentendichtungen: Flanschbild, Lochkreis, Hülseninnendurchmesser und die Lage des Spülanschlusses müssen zusätzlich passen. Hier lohnt der Maßvergleich immer, auch wenn die Typenbezeichnung eindeutig scheint.
Schritt 3: Den Werkstoffcode lesen
Die Typenbezeichnung beschreibt nur die Bauform. Was die Dichtung aushält, steht im Werkstoffcode dahinter. Nach DIN EN 12756 hat er fünf Stellen, zum Beispiel Q1Q1VGG.
| Stelle | Bauteil | Beispiel Q1Q1VGG |
|---|---|---|
| 1 | Gleitring, rotierend | Q1 = drucklos gesintertes Siliciumcarbid |
| 2 | Gegenring, stationär | Q1 = drucklos gesintertes Siliciumcarbid |
| 3 | Nebenabdichtungen | V = FKM |
| 4 | Federn und Metallteile | G = 1.4571 |
| 5 | Gehäuse | G = 1.4571 |
Die gängigen Kürzel für die Gleitflächen: A kunstharzimprägnierte Kohle, B antimonimprägnierte Kohle, V Aluminiumoxid-Keramik, Q1 gesintertes Siliciumcarbid, Q2 siliciuminfiltriertes Siliciumcarbid, U2 nickelgebundenes Wolframcarbid, U3 cobaltgebundenes Wolframcarbid. Bei den Elastomeren steht E für EPDM, V für FKM, P für NBR, K für FFKM, G für Silikon.
Dieselbe Bauform gibt es damit in sehr unterschiedlichen Ausführungen. Eine MG1 in AQ1EGG ist eine Heizungsdichtung, eine MG1 in Q1Q1VGG steht in einer Chemieanlage. Wer nur „MG1 in 35“ bestellt, bekommt die Standardausführung des Lieferanten, und die passt nicht zwangsläufig zum Medium. Welche Elastomerqualität zum Medium gehört, entscheidet sich an Temperatur und Konzentration, nicht am Preis.
Schritt 4: Maße gegenprüfen
Vier Maße entscheiden, ob die umgeschlüsselte Dichtung wirklich hineinpasst. Messschieber genügt, die Genauigkeit von einem Zehntel Millimeter reicht für die Vorauswahl.
| Maß | Was gemessen wird | Warum es entscheidet |
|---|---|---|
| d1 | Wellendurchmesser oder Innendurchmesser der Dichtung | Die wichtigste Einzelangabe, definiert die Baugröße |
| d6 | Außendurchmesser des Gegenrings | Muss in die Dichtkammer passen, ohne zu klemmen |
| l1k | Einbaulänge der rotierenden Einheit | Bestimmt die Federvorspannung im eingebauten Zustand |
| Tiefe der Dichtkammer | Vom Anlagepunkt des Gegenrings bis zur Stirnfläche | Zeigt, ob eine Patrone überhaupt Platz hat |
Die Baulängen nach DIN EN 12756, früher DIN 24960, sind der Grund, warum Umschlüsselungen bei Standardpumpen meist glatt laufen. Bei Sonderbauformen, älteren Pumpen und bei allem, was ein Pumpenhersteller selbst konstruiert hat, gilt diese Norm nicht. Dort ist der Maßvergleich am Bauteil Pflicht. Die vollständige Messanleitung mit Skizze steht im Beitrag Gleitringdichtung identifizieren.
Wenn nur eine Pumpen-Ersatzteilnummer vorliegt
Häufig steht auf der Bestellhistorie keine Dichtungsbezeichnung, sondern eine Ersatzteilnummer des Pumpenherstellers. Pumpenhersteller kaufen Dichtungen zu und vergeben eigene Nummern. Hinter einer solchen Nummer steckt in der Regel eine gängige Bauform, die sich zuordnen lässt, sobald Pumpentyp und Baugröße bekannt sind.
| Pumpenreihe | Häufig verbaute Bauart | Hinweis für die Umschlüsselung |
|---|---|---|
| KSB Etanorm, Etabloc | Balg- oder Wellfederdichtung nach EN 12756 | Werkstoffcode je Anwendung sehr unterschiedlich |
| Grundfos NK, NB, TP | Patrone oder Komponentendichtung nach EN 12756 | Bei TP-Reihen meist normgerecht austauschbar |
| Wilo IPL, IL, DL | Komponentendichtung nach EN 12756 | Umschlüsselung meist unkritisch |
| Sulzer AHLSTAR, Andritz | Patrone, oft nach API 682 | Spülplan und Anschlusslage mit erfassen |
| FRISTAM, GEA Hilge | Hygienische Bauform | Nur mit Werkstoffen mit Lebensmittelfreigabe ersetzen |
Ohne das Teil in der Hand bleibt das eine Eingrenzung, keine Freigabe. Ein Foto der ausgebauten Dichtung und das Typenschild der Pumpe bringen uns in den meisten Fällen weiter als die Ersatzteilnummer allein.
Wo Umschlüsselungen schiefgehen
Die Fälle, die uns danach als Reklamation erreichen, wiederholen sich. Fünf davon decken fast alles ab.
| Fehler | Folge | Abhilfe |
|---|---|---|
| Nur Typenbezeichnung übersetzt, Werkstoffcode ignoriert | Elastomer passt nicht zum Medium, Ausfall nach Wochen | Werkstoffcode immer mit angeben und gegen Medium prüfen |
| Baulänge l1k nicht verglichen | Feder zu stark oder zu schwach vorgespannt, Leckage oder schneller Verschleiß | l1k am Altteil messen, bei Patronen Einbautiefe prüfen |
| Drehrichtung nicht beachtet | Bei drehrichtungsabhängigen Bauarten öffnet die Feder statt zu schließen | Im Zweifel drehrichtungsunabhängige Bauart wählen |
| Doppeldichtung ohne passenden Sperrkreis ersetzt | Sperrdruck fehlt, die innere Dichtung läuft trocken | Spülplan mit erfassen, Reservoir und Druck prüfen |
| Wellenoberfläche nicht kontrolliert | Die neue Dichtung leckt am Wellensitz, nicht an der Gleitfläche | Welle oder Hülse auf Riefen prüfen, notfalls Oberfläche instand setzen |
Was wir für eine Freigabe brauchen
Eine Umschlüsselung geben wir erst frei, wenn Bauform, Werkstoffe und Maße geprüft sind. Dafür genügen in der Regel wenige Angaben.
- Typenbezeichnung und Werkstoffcode vom Altteil oder aus dem letzten Lieferschein
- Wellendurchmesser d1 in Millimeter, gemessen, nicht geschätzt
- Foto der ausgebauten Dichtung, seitlich und von der Gleitfläche
- Pumpenfabrikat und Typ laut Typenschild
- Medium, Temperatur, Druck und Drehzahl, geschätzte Werte genügen für die Vorauswahl
- Spülplan, falls vorhanden, besonders bei Doppeldichtungen
Liegt das Altteil vor, ist der Fall meist in einem Durchgang geklärt: Wir vermessen, vergleichen mit der Bauform und nennen die passende Ausführung. Ist die alte Dichtung noch reparabel, sagen wir das ebenfalls, auch wenn es der kleinere Auftrag ist. Wie die Rechnung aussieht, steht im Beitrag Reparieren oder neu kaufen.
Hinweis zu Marken: EagleBurgmann, John Crane, Flowserve, AESSEAL, Vulcan, Latty und Roten sind Marken der jeweiligen Unternehmen. Die Nennung dient ausschließlich der Zuordnung von Bauformen. LuWo-Seal ist herstellerunabhängig und steht in keiner Vertragsbeziehung zu diesen Herstellern.
Häufige Fragen zur Umschlüsselung.
Ist ein Pendant gleichwertig zum Original?
In Bauform, Werkstoffen und Einbaumaßen ja, sofern alle drei geprüft wurden. Genau das ist der Punkt: Ein Pendant ist gleichwertig, wenn die Zuordnung stimmt, und wertlos, wenn nur der Name übersetzt wurde. Wir geben eine Umschlüsselung deshalb erst nach Maß- und Werkstoffvergleich frei.
Auf meiner Dichtung steht nur MG1/35. Reicht das?
Für die Bauform ja, für die Bestellung nicht. MG1 ist die Bauart, 35 der Wellendurchmesser in Millimeter. Es fehlt der Werkstoffcode, also welche Gleitflächen und welches Elastomer verbaut waren. Ohne diese Angabe bekommen Sie die Standardausführung, und die passt nicht zu jedem Medium.
Kann ich eine Komponentendichtung durch eine Patrone ersetzen?
Oft ja, wenn der Dichtungsraum tief genug ist und der Stopfbuchsdeckel das Flanschbild aufnimmt. Der Vorteil ist die Montage: Eine Patrone wird ohne Einstellmaß eingebaut, damit fällt eine der häufigsten Fehlerquellen weg. Ob es passt, entscheidet die Einbautiefe, das prüfen wir anhand der Maße.
Sind Pendants nach DIN EN 12756 immer austauschbar?
Bei Pumpen, die nach dieser Norm gebaut sind, in der Regel ja. Bei Sonderbauformen, älteren Baureihen und herstellereigenen Konstruktionen gilt die Norm nicht, dort entscheidet der Maßvergleich am Bauteil.
Wie lange dauert eine Umschlüsselung?
Mit Foto, Maßen und Pumpentyp melden wir uns werktags in der Regel innerhalb von 24 Stunden mit einer Zuordnung. Liegt das Altteil hier, kommt die Freigabe nach dem Vermessen.
Kontakt
Foto genügt. Wir übernehmen ab hier.
Werktags meldet sich in der Regel innerhalb von 24 Stunden ein Techniker mit der Zuordnung, der passenden Werkstoffausführung und einem Angebot.
