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LuWo-SealRatgeberGleitringdichtung leckt
Ratgeber · Gleitringdichtungen

Pendant zur Gleitringdichtung finden: MG1, M7N, Type 21 und Cartex richtig umschlüsseln

Auf dem alten Teil steht MG1, im Lager liegt nichts, und der Lieferant hat acht Wochen Lieferzeit. Eine Umschlüsselung hilft nur dann, wenn drei Dinge zusammenpassen: Bauart, Werkstoffe und Einbaumaße. Wer nur die Typenbezeichnung übersetzt, baut die zweite Fehlerquelle gleich mit ein.

Lesezeit ca. 8 MinutenStand August 2026Aus der LuWo‑Seal Werkstatt, München

Was ein Pendant ist, und was es nicht ist

Ein Pendant ist eine Dichtung anderer Herkunft, die dieselbe Bauart, dieselbe Werkstofflogik und dieselben Einbaumaße hat wie das Original. Es ist kein Nachbau und keine Kopie. Die meisten Bauformen im Markt sind Varianten weniger Grundprinzipien, die seit Jahrzehnten in derselben Geometrie gefertigt werden, häufig auf Basis der Einbaumaße nach DIN EN 12756. Deshalb lassen sich viele Typen sauber zuordnen.

Was ein Pendant nicht leistet: Es gleicht keinen Auslegungsfehler aus. Wenn die Originaldichtung nach vier Monaten kaputt war, hält das Pendant genauso vier Monate. Vor der Umschlüsselung gehört deshalb die Frage geklärt, warum das alte Teil ausgefallen ist. Dabei hilft der Beitrag Gleitringdichtung leckt: Ursachen erkennen.

Werkstatt-Grundsatz: Umgeschlüsselt wird über die Bauform, nicht über den Namen. Zwei Dichtungen mit ähnlicher Typenbezeichnung können unterschiedliche Baulängen haben, zwei mit völlig verschiedenen Namen können identisch bauen.

Schritt 1: Bauartfamilie bestimmen

Der erste Griff geht nicht zum Katalog, sondern zum Teil. Fünf Merkmale genügen, um die Familie einzugrenzen. Danach ist die Tabelle nur noch Nachschlagen.

Was Sie sehenBauartfamilieTypische Vertreter
Gummi-Faltenbalg, eine große FederBalgdichtung, unentlastetMG1, Type 21, B01, Vulcan 1A
Eine gewellte Flachfeder (Wellfeder)Wave-Spring, drehrichtungsunabhängigM3N, Type 21W, M03, Vulcan 32
Acht bis vierundzwanzig kleine SchraubenfedernMehrfederdichtungM7N, Type 9, M05, Latty 2300
Metallbalg statt Federn, verschweißte LamellenMetallbalgdichtungHRC-Reihe, Type 2800, Type 109
Komplette Hülse mit Flansch und MontagelaschenPatrone (Cartridge)Cartex-Reihe, 5615/5860, CDSA, ISC1

Zwei Gleitflächenpaare hintereinander oder Rücken an Rücken bedeuten eine Doppeldichtung. Dann gehört zur Umschlüsselung zwingend die Frage, mit welchem Sperr- oder Pufferkreis die Dichtung betrieben wird, sonst passt zwar die Geometrie, aber nicht die Funktion.

Schritt 2: Umschlüsselungstabellen

Die folgenden Zuordnungen sind Richtwerte für die Bauform, wie sie in der Praxis verwendet werden. Sie ersetzen keinen Maßvergleich. Alle genannten Bezeichnungen sind Typenbezeichnungen der jeweiligen Hersteller und stehen hier ausschließlich zur Zuordnung.

Balgdichtungen und Wave-Spring

EagleBurgmannJohn CraneAESSEALFlowserveBauart
MG1Type 21B01 / M02Type 21Gummibalg, unentlastet, Standard für Wasser und Heizung
MG12Type 21 mit O-RingM02-D21DWie MG1, zusätzlicher O-Ring für höheren Druck
M3NType 21WM03Type 43Wellfeder, kompakt, drehrichtungsunabhängig
M37GType 21W mit HülseM3743-GWellfeder auf Hülse, patronenfähig

Mehrfeder- und Schwerlastdichtungen

EagleBurgmannJohn CraneAESSEALFlowserveBauart
M2NType 1M01Type 1Mehrfeder, unentlastet, klassische Komponentendichtung
M7NType 9M058B1Mehrfeder, robust, Industriestandard
H75Type 9BM078B1 entlastetEntlastete Ausführung für höhere Drücke
HRC-ReiheType 2800M16BXMetallbalg, Heißwasser und Thermalöl

Patronen (Cartridge)

EagleBurgmannJohn CraneAESSEALFlowserveBauart
Cartex-SN5615 / 5860CDSAISC1Einfachpatrone für den Stopfbuchsraum
Cartex-DN5860 DCDSA-DISC2-DDoppelpatrone in Tandem, typisch mit Plan 52
Cartex-QN5860 BCDSA-BISC2-BDoppelpatrone Rücken an Rücken, typisch mit Plan 53
HSH-S / HSH-D5610 / T4690CDSA / CURCISC1 / ISC2Patrone nach API 682, einfach und doppelt

Bei Patronen ist die Zuordnung heikler als bei Komponentendichtungen: Flanschbild, Lochkreis, Hülseninnendurchmesser und die Lage des Spülanschlusses müssen zusätzlich passen. Hier lohnt der Maßvergleich immer, auch wenn die Typenbezeichnung eindeutig scheint.

Schritt 3: Den Werkstoffcode lesen

Die Typenbezeichnung beschreibt nur die Bauform. Was die Dichtung aushält, steht im Werkstoffcode dahinter. Nach DIN EN 12756 hat er fünf Stellen, zum Beispiel Q1Q1VGG.

StelleBauteilBeispiel Q1Q1VGG
1Gleitring, rotierendQ1 = drucklos gesintertes Siliciumcarbid
2Gegenring, stationärQ1 = drucklos gesintertes Siliciumcarbid
3NebenabdichtungenV = FKM
4Federn und MetallteileG = 1.4571
5GehäuseG = 1.4571

Die gängigen Kürzel für die Gleitflächen: A kunstharzimprägnierte Kohle, B antimonimprägnierte Kohle, V Aluminiumoxid-Keramik, Q1 gesintertes Siliciumcarbid, Q2 siliciuminfiltriertes Siliciumcarbid, U2 nickelgebundenes Wolframcarbid, U3 cobaltgebundenes Wolframcarbid. Bei den Elastomeren steht E für EPDM, V für FKM, P für NBR, K für FFKM, G für Silikon.

Dieselbe Bauform gibt es damit in sehr unterschiedlichen Ausführungen. Eine MG1 in AQ1EGG ist eine Heizungsdichtung, eine MG1 in Q1Q1VGG steht in einer Chemieanlage. Wer nur „MG1 in 35“ bestellt, bekommt die Standardausführung des Lieferanten, und die passt nicht zwangsläufig zum Medium. Welche Elastomerqualität zum Medium gehört, entscheidet sich an Temperatur und Konzentration, nicht am Preis.

Zwei Klassiker aus der Befundung: FKM in Heißwasser über 100 °C und EPDM in Mineralöl. Beide Kombinationen sehen im Katalog unauffällig aus und zerlegen die Dichtung binnen Wochen.

Schritt 4: Maße gegenprüfen

Vier Maße entscheiden, ob die umgeschlüsselte Dichtung wirklich hineinpasst. Messschieber genügt, die Genauigkeit von einem Zehntel Millimeter reicht für die Vorauswahl.

MaßWas gemessen wirdWarum es entscheidet
d1Wellendurchmesser oder Innendurchmesser der DichtungDie wichtigste Einzelangabe, definiert die Baugröße
d6Außendurchmesser des GegenringsMuss in die Dichtkammer passen, ohne zu klemmen
l1kEinbaulänge der rotierenden EinheitBestimmt die Federvorspannung im eingebauten Zustand
Tiefe der DichtkammerVom Anlagepunkt des Gegenrings bis zur StirnflächeZeigt, ob eine Patrone überhaupt Platz hat

Die Baulängen nach DIN EN 12756, früher DIN 24960, sind der Grund, warum Umschlüsselungen bei Standardpumpen meist glatt laufen. Bei Sonderbauformen, älteren Pumpen und bei allem, was ein Pumpenhersteller selbst konstruiert hat, gilt diese Norm nicht. Dort ist der Maßvergleich am Bauteil Pflicht. Die vollständige Messanleitung mit Skizze steht im Beitrag Gleitringdichtung identifizieren.

Wenn nur eine Pumpen-Ersatzteilnummer vorliegt

Häufig steht auf der Bestellhistorie keine Dichtungsbezeichnung, sondern eine Ersatzteilnummer des Pumpenherstellers. Pumpenhersteller kaufen Dichtungen zu und vergeben eigene Nummern. Hinter einer solchen Nummer steckt in der Regel eine gängige Bauform, die sich zuordnen lässt, sobald Pumpentyp und Baugröße bekannt sind.

PumpenreiheHäufig verbaute BauartHinweis für die Umschlüsselung
KSB Etanorm, EtablocBalg- oder Wellfederdichtung nach EN 12756Werkstoffcode je Anwendung sehr unterschiedlich
Grundfos NK, NB, TPPatrone oder Komponentendichtung nach EN 12756Bei TP-Reihen meist normgerecht austauschbar
Wilo IPL, IL, DLKomponentendichtung nach EN 12756Umschlüsselung meist unkritisch
Sulzer AHLSTAR, AndritzPatrone, oft nach API 682Spülplan und Anschlusslage mit erfassen
FRISTAM, GEA HilgeHygienische BauformNur mit Werkstoffen mit Lebensmittelfreigabe ersetzen

Ohne das Teil in der Hand bleibt das eine Eingrenzung, keine Freigabe. Ein Foto der ausgebauten Dichtung und das Typenschild der Pumpe bringen uns in den meisten Fällen weiter als die Ersatzteilnummer allein.

Wo Umschlüsselungen schiefgehen

Die Fälle, die uns danach als Reklamation erreichen, wiederholen sich. Fünf davon decken fast alles ab.

FehlerFolgeAbhilfe
Nur Typenbezeichnung übersetzt, Werkstoffcode ignoriertElastomer passt nicht zum Medium, Ausfall nach WochenWerkstoffcode immer mit angeben und gegen Medium prüfen
Baulänge l1k nicht verglichenFeder zu stark oder zu schwach vorgespannt, Leckage oder schneller Verschleißl1k am Altteil messen, bei Patronen Einbautiefe prüfen
Drehrichtung nicht beachtetBei drehrichtungsabhängigen Bauarten öffnet die Feder statt zu schließenIm Zweifel drehrichtungsunabhängige Bauart wählen
Doppeldichtung ohne passenden Sperrkreis ersetztSperrdruck fehlt, die innere Dichtung läuft trockenSpülplan mit erfassen, Reservoir und Druck prüfen
Wellenoberfläche nicht kontrolliertDie neue Dichtung leckt am Wellensitz, nicht an der GleitflächeWelle oder Hülse auf Riefen prüfen, notfalls Oberfläche instand setzen

Was wir für eine Freigabe brauchen

Eine Umschlüsselung geben wir erst frei, wenn Bauform, Werkstoffe und Maße geprüft sind. Dafür genügen in der Regel wenige Angaben.

  • Typenbezeichnung und Werkstoffcode vom Altteil oder aus dem letzten Lieferschein
  • Wellendurchmesser d1 in Millimeter, gemessen, nicht geschätzt
  • Foto der ausgebauten Dichtung, seitlich und von der Gleitfläche
  • Pumpenfabrikat und Typ laut Typenschild
  • Medium, Temperatur, Druck und Drehzahl, geschätzte Werte genügen für die Vorauswahl
  • Spülplan, falls vorhanden, besonders bei Doppeldichtungen

Liegt das Altteil vor, ist der Fall meist in einem Durchgang geklärt: Wir vermessen, vergleichen mit der Bauform und nennen die passende Ausführung. Ist die alte Dichtung noch reparabel, sagen wir das ebenfalls, auch wenn es der kleinere Auftrag ist. Wie die Rechnung aussieht, steht im Beitrag Reparieren oder neu kaufen.

Hinweis zu Marken: EagleBurgmann, John Crane, Flowserve, AESSEAL, Vulcan, Latty und Roten sind Marken der jeweiligen Unternehmen. Die Nennung dient ausschließlich der Zuordnung von Bauformen. LuWo-Seal ist herstellerunabhängig und steht in keiner Vertragsbeziehung zu diesen Herstellern.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Umschlüsselung.

Ist ein Pendant gleichwertig zum Original?

In Bauform, Werkstoffen und Einbaumaßen ja, sofern alle drei geprüft wurden. Genau das ist der Punkt: Ein Pendant ist gleichwertig, wenn die Zuordnung stimmt, und wertlos, wenn nur der Name übersetzt wurde. Wir geben eine Umschlüsselung deshalb erst nach Maß- und Werkstoffvergleich frei.

Auf meiner Dichtung steht nur MG1/35. Reicht das?

Für die Bauform ja, für die Bestellung nicht. MG1 ist die Bauart, 35 der Wellendurchmesser in Millimeter. Es fehlt der Werkstoffcode, also welche Gleitflächen und welches Elastomer verbaut waren. Ohne diese Angabe bekommen Sie die Standardausführung, und die passt nicht zu jedem Medium.

Kann ich eine Komponentendichtung durch eine Patrone ersetzen?

Oft ja, wenn der Dichtungsraum tief genug ist und der Stopfbuchsdeckel das Flanschbild aufnimmt. Der Vorteil ist die Montage: Eine Patrone wird ohne Einstellmaß eingebaut, damit fällt eine der häufigsten Fehlerquellen weg. Ob es passt, entscheidet die Einbautiefe, das prüfen wir anhand der Maße.

Sind Pendants nach DIN EN 12756 immer austauschbar?

Bei Pumpen, die nach dieser Norm gebaut sind, in der Regel ja. Bei Sonderbauformen, älteren Baureihen und herstellereigenen Konstruktionen gilt die Norm nicht, dort entscheidet der Maßvergleich am Bauteil.

Wie lange dauert eine Umschlüsselung?

Mit Foto, Maßen und Pumpentyp melden wir uns werktags in der Regel innerhalb von 24 Stunden mit einer Zuordnung. Liegt das Altteil hier, kommt die Freigabe nach dem Vermessen.

Kontakt

Foto genügt. Wir übernehmen ab hier.

Werktags meldet sich in der Regel innerhalb von 24 Stunden ein Techniker mit der Zuordnung, der passenden Werkstoffausführung und einem Angebot.

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