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LuWo-Seal Gleitringdichtung identifizieren
Ratgeber · Gleitringdichtungen

Gleitringdichtung identifizieren: in vier Schritten zur passenden Dichtung

Kein Typenschild, keine Zeichnung, keine Bestellhistorie – der Normalfall, wenn eine Dichtung nach Jahren zum ersten Mal ausfällt. Die gute Nachricht: Für eine sichere Zuordnung braucht es nur die Bauart, drei bis vier Maße und ein Foto. Wie Sie beides in zehn Minuten beschaffen, zeigt dieser Leitfaden.

Lesezeit ca. 6 MinutenStand Juli 2026Aus der LuWo‑Seal Werkstatt, München

Warum das Typenschild selten weiterhilft

Auf dem Typenschild der Pumpe steht der Pumpentyp – nicht die Dichtung. Und selbst wenn eine OEM-Ersatzteilnummer vorliegt, führt sie meist zum Pumpenhersteller, der die Dichtung mit erheblichem Aufschlag und langer Lieferzeit als „Original-Ersatzteil“ verkauft. Dabei stammt die Dichtung fast immer von einem Dichtungshersteller wie EagleBurgmann, John Crane oder Roten – und ist als Normdichtung nach DIN EN 12756 herstellerübergreifend austauschbar.

Deshalb lohnt der umgekehrte Weg: die vorhandene Dichtung bestimmen, statt die Bestellnummer zu suchen. Das geht schneller, als die meisten denken.

Schritt 1: Bauart erkennen

Der erste Blick gilt der Bauform – sie grenzt die Zuordnung sofort ein. Vier Bauarten decken den größten Teil aller Industriepumpen ab:

BauartWoran Sie sie erkennenTypische Vertreter
GummibalgdichtungSchwarzer Elastomerbalg um die Welle, eine zentrale Kegel- oder ZylinderfederMG1, Roten 3, Typ 21
WellfederdichtungKompakte Bauform, umlaufende gewellte Feder, kurze BaulängeM2N/M3N, Typ 21W
MetallfaltenbalgdichtungGeschweißter Metallbalg statt Feder und dynamischem O-RingMFL, Typ 680/609
Cartridge-DichtungKomplett vormontierte Einheit mit eigener Wellenhülse und FlanschCartex, Typ 5610/5860

Unsicher? Dann überspringen Sie diesen Schritt – die Bauart erkennen wir am Foto in Sekunden. Ausführliche Beschreibungen aller Bauarten finden Sie auf unserer Seite Gleitringdichtungen.

Schritt 2: Die vier Maße, die zählen

Gemessen wird an der ausgebauten, entspannten Dichtung – ein digitaler Messschieber genügt. In absteigender Wichtigkeit:

MaßWas genauWarum es zählt
Wellen-Ø (d1)Innendurchmesser von Rotor bzw. BalgDas Pflichtmaß. Bei Normdichtungen steckt es im Namen: MG1-25 = 25 mm
Baulänge LRotorlänge im entspannten ZustandUnterscheidet Kurz- (L1K) und Normalausführung (L1N) nach DIN EN 12756
Stator Außen-ØGrößter Durchmesser des GegenringsBestimmt die Einbaubohrung, entlarvt Sondermaße
Rotor entspanntGesamtlänge inkl. Feder, unbelastetPlausibilitätskontrolle bei verschlissenen Dichtungen

Wichtig: Die Feder nicht zusammendrücken. Eine eingebaut vermessene Dichtung liefert falsche Längen – der häufigste Messfehler, den wir in Anfragen sehen.

Schritt 3: Das eine Foto, das alles klärt

Ein gutes Foto ersetzt viele Worte. So machen Sie es der Zuordnung leicht:

Komplette Dichtung (Rotor und Gegenring nebeneinander) auf neutralem Untergrund, Tageslicht oder Werkstattlicht, senkrecht von oben. Falls vorhanden: Typenschild der Pumpe mitfotografieren. Verschleiß, Ablagerungen oder Brüche nicht wegputzen – das Schadensbild verrät die Ausfallursache und fließt in die Werkstoffempfehlung ein.

Schritt 4: Vom Befund zum Pendant

Mit Bauart und Maßen ist die Zuordnung zum passenden Pendant Routine. Die gängigen Baureihen der großen Hersteller entsprechen einander:

BauartEagleBurgmannJohn CraneRotenAESSEAL
GummibalgMG1Type 21B01 / M02B012
WellfederM3NType 21WM03M04
MetallfaltenbalgMFL85NType 680MB09
Cartridge einfachCartex-SNType 5610CDSAISC1
Cartridge doppeltCartex-DNType 5860CDSA-DISC2-D

Die vollständige Umschlüsselungstabelle mit weiteren Baureihen pflegen wir auf der Gleitringdichtungen-Seite. Werksspezifische Dichtungen von Pumpenherstellern wie Fristam, Hilge oder Grundfos ordnen wir über den Pumpentyp zu.

Checkliste: Diese Angaben genügen der Werkstatt

Mehr als das braucht keine seriöse Zuordnung – alles Weitere ist optional:

AngabeStatus
Wellendurchmesser in mmPflicht
Foto der Dichtung (Rotor + Gegenring)Dringend empfohlen
Baulänge und Stator Außen-ØEmpfohlen
Medium und TemperaturFür die Werkstoffempfehlung
Pumpenhersteller und -typHilfreich bei Sondermaßen

Der schnellste Weg: Unser Identifikations-Assistent fragt genau diese Punkte ab, mit Maßskizze zum Mitmessen – Dichtung jetzt identifizieren. Kostenfrei, Rückmeldung werktags in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Ist die Dichtung ein Reparaturkandidat, lesen Sie vorher: Reparieren oder neu kaufen?

Häufige Fragen zur Identifikation

Reicht ein Foto zur Identifikation?

Oft ja. Ein scharfes Foto der kompletten Dichtung plus Wellendurchmesser genügt in den meisten Fällen. Baulänge und Stator-Außendurchmesser machen die Zuordnung eindeutig – besonders bei Kurz- und Normalausführungen, die sich nur in der Länge unterscheiden.

Was, wenn die Dichtung stark beschädigt ist?

Auch zerstörte Dichtungen lassen sich zuordnen: Balgform, Federanordnung und Mitnehmer bleiben erkennbar. Notfalls identifizieren wir über Pumpenhersteller, Pumpentyp und Einbausituation.

Ist ein Pendant schlechter als das Original?

Nein. Normdichtungen nach DIN EN 12756 sind zwischen Herstellern austauschbar, wenn Bauart, Maße und Werkstoffpaarung stimmen. Entscheidend ist die korrekte Zuordnung, nicht der Markenname – und die prüfen wir, bevor ein Angebot rausgeht.

Was kostet die Identifikation?

Nichts. Zuordnung anhand von Foto und Maßen ist kostenfrei und unverbindlich. Sie erhalten ein Angebot mit eindeutiger Artikelzuordnung und Lieferzeit.

Wie messe ich die Baulänge richtig?

Im entspannten Zustand, ausgebaut, ohne die Feder zu stauchen. Bei Normdichtungen entspricht das der L1K- bzw. L1N-Länge nach DIN EN 12756. Im Zweifel: beide Längen angeben, gestaucht und entspannt.

Was ist mit Sondermaßen und werksspezifischen Dichtungen?

Pumpenhersteller wie Fristam, Hilge oder Grundfos verbauen oft eigene Bauformen ohne Normmaß. Diese ordnen wir über Pumpentyp und Vermessung zu – als Neuteil-Pendant oder als Aufarbeitung der vorhandenen Dichtung.

Kontakt

Foto genügt. Wir übernehmen ab hier.

Ein Techniker meldet sich werktags in der Regel innerhalb von 24 Stunden, mit klarer Empfehlung für Reparatur, Ersatz oder Sonderlösung.

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