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LuWo-Seal Gleitringdichtung leckt
Ratgeber · Gleitringdichtungen

Gleitringdichtung leckt: Ursachen erkennen und richtig handeln

Eine Gleitringdichtung versagt nicht zufällig. Jeder Schaden hat eine Ursache, und die liegt meistens außerhalb der Dichtung: in der Anlage, im Betrieb, in der Montage. Wer das Schadensbild lesen kann, spart sich den zweiten Ausfall.

Lesezeit ca. 7 MinutenStand Juli 2026Aus der LuWo‑Seal Werkstatt, München

Erst einordnen: Ist es überhaupt ein Schaden?

Nicht jeder Tropfen ist ein Ausfall. Eine Gleitringdichtung dichtet über einen mikroskopischen Flüssigkeitsfilm zwischen zwei Gleitflächen, und in den ersten Betriebsstunden nach einer Montage darf sie minimal schwitzen, bis die Flächen eingelaufen sind. Kritisch wird es, wenn die Leckage bleibt, zunimmt oder sichtbar tropft: Dann läuft eine Ursachenkette, die sich nicht von selbst stoppt.

Ein zweiter Blick lohnt direkt nach der Montage: Leckt die Dichtung von der ersten Minute an, obwohl die Bauteile intakt aussehen, liegt fast immer ein Montagefehler vor, ein beim Einschieben verletzter O‑Ring oder ein Gegenring, der in einer unebenen Dichtkammer kippt. Auch längerer Stillstand ist ein Klassiker: Zwischen den Gleitflächen bildet sich Korrosion, der erste Anlauf ist undicht.

Werkstatt-Grundsatz: Nicht die Dichtung beschuldigen, die Anlage verstehen. Wer nur das Teil tauscht und die Ursache lässt, sieht denselben Schaden nach kurzer Zeit wieder.

Die fünf Schadenskategorien

Aus über 200.000 Projekten in unserer Münchner Werkstatt ergibt sich ein klares Muster, welche Ursachen hinter Dichtungsausfällen stehen:

KategorieAnteil typischer AusfälleHauptursachen
Trockenlaufca. 30 %Anfahren ohne Befüllung, leergelaufener Behälter, Gasblase in der Dichtkammer, Spülung ausgefallen
Mechanische Schädenca. 25 %Vibration, Wellenschlag, defekte Lager, Montagefehler, Festkörper im Dichtspalt
Chemische Schädenca. 20 %Falsche Werkstoffwahl, Mediumswechsel, Konzentrationsspitzen, CIP-Medien
Thermische Schädenca. 15 %Heißriss durch Temperaturschock, ausgefallene Kühlung, Heißmedien
Verschleißca. 10 %Normales Lebensdauerende, erreichte Standzeit

Schadensbilder lesen: fünf typische Muster

Die demontierte Dichtung erzählt ihre Geschichte selbst. Das sind die fünf Muster, die uns am häufigsten auf dem Werkstatttisch begegnen:

1. Trockenlauf

Erkennen
Dunkle, oft blau-violette Anlauffarben am Gleitring, radiale Riefen nach außen, bei Kohle ausgebrannte Krater. Das Elastomer ist verhärtet oder verbrannt, beim Demontieren riecht es versengt.
Ursache
Die Pumpe lief ohne Medium: Behälter leergefahren, nicht entlüftet angefahren, Gasblase in der Dichtkammer oder die Spülung war verstopft.
Was tun
Anlage prüfen, bevor die neue Dichtung einbaut wird: Funktioniert die Spülung? Trockenlaufschutz (Niveauschalter, Strömungswächter) nachrüsten. Bei Dauerproblem trockenlauffestere Werkstoffpaarung wählen.

2. Radiale Riefen und tiefe Furchen

Erkennen
Konzentrische, feine Laufspuren sind normaler Betrieb. Radiale Riefen oder tiefe Furchen quer zur Laufrichtung sind es nicht.
Ursache
Harte Partikel zwischen den Gleitflächen: Schmutz im Medium, Schweißperlen aus der Rohrleitung, Verschleißpartikel von Lager oder Laufrad.
Was tun
Medium filtern oder Spülung vorschalten, Rohrleitung nach Umbauten immer spülen. Bei abrasiven Medien auf Hartmetall-Paarung wechseln.

3. Heißriss, typisch bei Siliziumkarbid

Erkennen
Netzartige, feine Risse auf der Lauffläche, teils mit Ausbrüchen am Rand. Häufig bei SiC/SiC-Paarungen.
Ursache
Thermoschock: kaltes Medium trifft auf heißgelaufene Flächen, etwa nach Trockenlauf mit Rückbeflutung, oder die Kühlung ist ausgefallen.
Was tun
Anfahrreihenfolge festlegen: erst Spülung, dann Pumpe. Ein Ring mit Heißriss ist nicht reparabel, hier zählt die Ursache, sonst reißt auch der Ersatz.

4. Chemischer Angriff

Erkennen
O-Ringe gequollen, verhärtet oder regelrecht aufgelöst. Am Metall Lochfraß, besonders bei chloridhaltigen Medien über 60 °C.
Ursache
Werkstoff passt nicht zum Medium, oder das Medium hat sich geändert: neue Konzentration, neue Temperatur, neues Reinigungsmittel im CIP-Prozess.
Was tun
Werkstoff-Verträglichkeit prüfen lassen, mit ehrlichen Angaben zu Medium, Temperatur und Reinigungszyklen. Oft löst ein Elastomerwechsel (z. B. auf EPDM oder FFKM) das Problem dauerhaft.

5. Leckage ohne sichtbaren Schaden

Erkennen
Es tropft, aber alle Bauteile sehen intakt aus. Tritt oft direkt nach einer Montage oder nach längerem Stillstand auf.
Ursache
Montagefehler: falsche Einbautiefe, verletzter oder vergessener O-Ring, unebene Dichtkammer. Nach Stillstand: Korrosion zwischen den Gleitflächen.
Was tun
Montage nach Anleitung wiederholen, Wellenkanten beim Einschieben abdecken. Bei Stillstandsanlagen die Welle regelmäßig kurz durchdrehen.
Unsicher, welches Muster es ist? Ein Foto der Lauffläche genügt unseren Technikern meist für eine erste Diagnose. Dichtung identifizieren ›

Schnelldiagnose: Symptom, Ursache, Maßnahme

SymptomWahrscheinliche UrsacheErste Maßnahme
Leckage ab erster MinuteMontagefehler, verletzter O-RingDemontage und Sichtprüfung, Montage wiederholen
Blau-violette VerfärbungTrockenlaufBefüllung und Spülung prüfen, Trockenlaufschutz
Netzrisse auf SiCThermoschockAnfahrreihenfolge und Kühlung prüfen, Ring ersetzen
O-Ring gequollen/verhärtetChemischer AngriffWerkstoff gegen Medium und CIP prüfen lassen
Leckage nach StillstandStillstandskorrosionWelle regelmäßig drehen, Flächen befunden lassen
Ausfall alle paar MonateSystemfehler in Anlage oder AuslegungNicht weiter tauschen: Ursachenanalyse anfordern

Reparieren oder ersetzen?

Die ehrliche Antwort entscheidet sich am Bauteil, nicht am Katalog. Als Faustregel aus der Befundung: Sind Gleit- und Gegenring nachschleifbar, Hülse und Federn in Ordnung und nur die Verschleißteile fällig, lohnt die Reparatur, je nach Bauart liegt sie deutlich unter dem Neuteilpreis. Bei Heißriss, Bruch oder Korrosion am Metall empfehlen wir das Neuteil, dann aber mit geklärter Ursache.

Genau dafür ist unsere Befundung kostenfrei: Teil einsenden, wir demontieren, vermessen und melden uns mit einem Festangebot. Repariert wird erst nach Ihrer Freigabe.

Diese Angaben beschleunigen die Lösung

Ob Reparatur, Ersatz oder Pendant zu einem Fremdfabrikat: Mit diesen Angaben kann ein Techniker sofort arbeiten, statt nachzufragen.

  • Wellendurchmesser – die wichtigste Einzelangabe, einmal Messschieber genügt
  • Medium und Temperatur – entscheidet über die Werkstoffpaarung
  • Druck und Drehzahl – geschätzt genügt
  • Pumpenfabrikat und Typ – laut Typenschild, falls vorhanden
  • Foto von Dichtung und Typenschild – ersetzt viele Maße

Wenn die Standzeit wiederholt unter sechs Monaten liegt, ist das kein Dichtungsproblem mehr, sondern ein Anlagen- oder Auslegungsproblem. Dann keine weiteren Dichtungen verbrauchen, sondern die Ursachenkette klären lassen.

Häufige Fragen

Was uns zu Leckagen am häufigsten gefragt wird.

Die Dichtung leckt, aber ich sehe keinen Schaden. Was ist los?

Meist ein Montagefehler, ein beim Einschieben verletzter O-Ring oder ein undichter Welle-Hülse-Sitz. Das zeigt sich erst bei Demontage und Sichtprüfung. Schicken Sie uns das Teil, die Befundung ist kostenfrei.

Sie hat sechs Monate gehalten, davor drei Jahre. Was ist passiert?

Irgendetwas hat sich geändert: Medium, Temperatur, Spülung, ein neues Reinigungsmittel, ein Lagerschaden an der Pumpe. Die Dichtung ist fast immer das Symptom, nicht die Ursache. Genau diese Kette klären wir in der Befundung.

Reparieren oder neu kaufen?

Faustregel: Sind weniger als die Hälfte der Bauteile betroffen und die Ringe nachschleifbar, lohnt die Reparatur. Bei Heißriss, Bruch oder Metallkorrosion empfehlen wir das Neuteil. Wir prüfen kostenfrei und geben eine klare Empfehlung mit Festangebot.

Die Pumpe vibriert. Kann das die Dichtung schädigen?

Ja, deutlich: Wellenschlag über 0,05 mm radial ist kritisch, dann hält auch die beste Dichtung nur Monate. Lager prüfen und die Ausrichtung von Pumpe und Motor messen lassen, sonst wiederholt sich der Ausfall.

Kontakt

Foto genügt. Wir übernehmen ab hier.

Ein Techniker meldet sich werktags in der Regel innerhalb von 24 Stunden, mit klarer Empfehlung für Reparatur, Ersatz oder Sonderlösung.

info@luwo-seal.deLangwieder Hauptstraße 2–4 · 81249 MünchenMo–Do 7:30–16:30 · Fr 7:30–14:00
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