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LuWo-Seal Einbau: die 10 häufigsten Fehler
Ratgeber · Gleitringdichtungen

Gleitringdichtung einbauen: die zehn häufigsten Montagefehler

Ein erheblicher Teil der Dichtungen auf unserem Befundungstisch ist nicht verschlissen, sondern falsch montiert worden – und zwar auf immer dieselben Arten. Diese Liste kommt direkt aus der Befundungspraxis: die zehn Fehler, die wir am häufigsten sehen, woran man sie hinterher erkennt und wie sie sich vermeiden lassen.

Lesezeit ca. 7 MinutenStand Juli 2026Aus der LuWo‑Seal Werkstatt, München

Fehler 1–3: Vorbereitung

1. Welle nicht geprüft

Die neue Dichtung wird auf eine Welle mit Riefen, Graten oder Einlaufspuren montiert. Die Nebendichtung – O-Ring oder Balg – dichtet auf dieser Oberfläche nie dauerhaft. Vermeiden: Lauffläche prüfen, glätten oder Wellenhülse tauschen. Kanten und Passfedernuten entgraten und anfasen.

2. Falsches Montagemittel auf dem Elastomer

Der Klassiker: Mineralfett auf einem EPDM-Balg. EPDM quillt unter Mineralöl – nach Tagen sitzt der Balg locker, die Dichtung wandert. Hinterher erkennbar am aufgequollenen, klebrigen Elastomer. Vermeiden: Nur Wasser mit Spülmittel, Silikonspray oder mineralölfreies Montagefluid. Bei FKM und NBR ist Silikonfett unkritisch – im Zweifel: Wasser.

3. Gleitflächen angefasst oder liegen gelassen

Fingerfett und Staub auf den geläppten Flächen stören den Schmierfilm von der ersten Umdrehung an. Vermeiden: Flächen bis zur Montage in der Verpackung lassen, nur am Umfang anfassen, unmittelbar vor der Montage mit Alkohol und fusselfreiem Tuch reinigen.

Fehler 4–7: Montage

4. O-Ring über scharfe Kanten geschoben

Beim Überschieben über Passfedernut, Gewinde oder Wellenabsatz schneidet die Kante eine feine Kerbe in den O-Ring – die Dichtung leckt ab der ersten Minute leicht und stetig. Vermeiden: Kanten abkleben oder Montagehülse verwenden.

5. Gegenring verkantet eingepresst

Der Gegenring wird schief in die Bohrung gedrückt und sitzt verspannt; unter Last verzieht er sich und die Flächen tragen nur teilweise. Erkennbar am einseitigen Tragbild. Vermeiden: Gleichmäßig, rechtwinklig und ohne Schläge einpressen – mit Kunststoffauflage, nie direkt mit dem Hammer.

6. Falsches Einbaumaß

Die Feder bestimmt den Anpressdruck – und der stimmt nur beim richtigen Einbaumaß aus dem Datenblatt. Zu kurz: Flächen überhitzen, Heißrisse und Anlauffarben. Zu lang: zu wenig Anpressung, Leckage bei Druckschwankungen. Vermeiden: Einbaumaß messen statt schätzen; bei Cartridge-Dichtungen erledigen das die Montagesicherungen.

7. Drehrichtung ignoriert

Manche Baureihen mit Drallnuten oder Fördergewinde sind drehrichtungsgebunden. Falsch herum montiert fördern sie das Medium aus dem Dichtspalt statt hinein. Vermeiden: Kennzeichnung am Bauteil mit der Pumpendrehrichtung abgleichen.

Fehler 8–10: Inbetriebnahme

8. Trockener Probelauf

„Nur kurz schauen, ob sie läuft“ – Sekunden genügen, um die Gleitflächen thermisch zu schädigen. Der Schaden zeigt sich oft erst Wochen später als schleichende Leckage. Vermeiden: Erst befüllen und entlüften, dann starten. Gilt auch nach jedem Wartungseingriff.

9. Dichtungsraum nicht entlüftet

Besonders bei vertikalen Wellen sammelt sich Gas an der Dichtung – sie läuft trocken, obwohl die Pumpe gefüllt ist. Vermeiden: Entlüftungsbohrung nutzen; bei kritischen Anwendungen Spülplan (Quench/Sperrdruck) beachten.

10. Alte Ursache, neue Dichtung

Die Dichtung wird getauscht, aber der Grund ihres Ausfalls – Kavitation, Wellenschlag, defektes Lager, falsche Werkstoffpaarung – bleibt. Die neue hält dann genau so lange wie die alte. Vermeiden: Vor dem Tausch das Schadensbild lesen; bei Wiederholausfällen die Dichtung befunden lassen – der Befund benennt die Ursache.

Schnelldiagnose nach Symptom

Symptom nach dem EinbauWahrscheinlicher Montagefehler
Leckt sofort, leicht und stetigO-Ring gekerbt (4) oder Gegenring verkantet (5)
Leckt nach Tagen, Elastomer quilltMineralfett auf EPDM (2)
Anlauffarben, Geruch, frühe LeckageTrockenlauf (8) oder Einbaumaß zu kurz (6)
Leckt nur bei DruckschwankungenEinbaumaß zu lang (6)
Ausfall wie beim VorgängerUrsache in der Anlage nie behoben (10)

Unsicher, welche Dichtung überhaupt passt? Erst identifizieren, dann montieren – oder direkt fragen: Dichtung identifizieren. Werkstoff- und Auslegungsfragen beantwortet die Gleitringdichtungen-Seite.

Häufige Fragen zum Einbau

Welches Montagemittel für EPDM-Bälge?

Nur mineralölfrei: Wasser mit Spülmittel, Silikonspray oder Montagefluid. Mineralöl und -fett lassen EPDM quellen – der häufigste vermeidbare Ausfall, den wir befunden.

Darf man die Gleitflächen berühren?

Nein – Fingerfett stört den Schmierfilm. Nur am Umfang anfassen, vor der Montage mit Alkohol reinigen.

Darf die Dichtung kurz trocken laufen?

Nein, auch nicht zum Probelauf. Sekunden reichen für thermische Schäden. Immer erst befüllen und entlüften.

Warum leckt die neue Dichtung sofort?

Fast immer Montage: gekerbter O-Ring, verkanteter Gegenring, falsches Einbaumaß oder Riefen auf der Welle. Ein Materialfehler ist die Ausnahme.

Muss die Welle beim Tausch geprüft werden?

Ja – Riefen und Grate im Bereich der Nebendichtung zerstören jede neue Dichtung. Glätten oder Hülse tauschen, dann montieren.

Woher bekomme ich das Einbaumaß?

Datenblatt der Dichtung oder Pumpenzeichnung. Das Maß bestimmt die Federvorspannung – messen statt schätzen.

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